Wie das Naturfreundehaus Riedberg auf Wärmepumpenheizung umgestellt wurde
3.000 Liter Heizöl weniger pro Jahr: Im Riedberghaus (H 32) der NaturFreunde Darmstadt-Eberstadt wird nun nicht mehr mit Öl geheizt. Rund acht Tonnen Kohlendioxid spart die Ortsgruppe so jährlich ein. Möglich wurde die Umstellung auf eine Wärmepumpenheizung durch staatliche Förderung, Spenden – und durch viele hundert Stunden ehrenamtlicher Arbeit.
Das idyllisch gelegene Naturfreundehaus Riedberg (H 32) steht im Wald des Riedbergs, etwa einen Kilometer östlich von Darmstadt-Eberstadt. Es ist ein gut genutztes Tagungs- und Übernachtungshaus mit 20 Betten, zwei Tagungsräumen, Sanitäranlagen und professioneller Küche. Daneben befindet sich ein kleineres „Pförtnerhaus“, in dem die Hausverwalterin wohnt; im Keller nutzt die Ortsgruppe einen Tagungsraum.
Lange wurden beide Häuser gemeinsam mit Öl beheizt. Die zentrale Ölheizung hatte in den 1980er-Jahren die frühere, umständlich mit Kohle oder Holz betriebene Kachelofen-Warmluftheizung ersetzt. Damals erschien sie als Fortschritt: einfacher zu bedienen, zeitgemäßer, technisch naheliegend. Doch aus heutiger Sicht war klar: 3.000 Liter Heizöl im Jahr passen nicht zu einem Verband, der Klimaschutz ernst nimmt.
Der Abschied vom Öl wurde dringlich
Im Frühjahr 2025 beschlossen der Vorstand der NaturFreunde Darmstadt-Eberstadt und der Vorstand des für den Betrieb des Hauses zuständigen Vereins KiJuBS (Kinder-Jugend-Umwelt-Bildungsstätte Riedberg), die Umstellung auf eine Wärmepumpenheizung tatsächlich anzugehen. Ein Grund war ganz praktisch: Die Ölheizung machte wieder einmal Probleme.
Hinzu kam die Sorge, dass die gut ausgestattete staatliche Förderung für Wärmepumpen nach der vorgezogenen Bundestagswahl vom Februar 2025 politisch wieder in Frage gestellt werden könnte. Also schien Eile geboten. Im Rückblick war das ein Glücksfall: Die Ortsgruppe kam ins Handeln.
Dabei war der Einstieg alles andere als einfach. Niemand in der Ortgsruppe verstand zunächst wirklich etwas von Wärmepumpen. Ein Vorstandsmitglied erklärte sich dann bereit, die Federführung zu übernehmen – also vor allem den umfangreichen Papierkram – und begann, sich in die Materie einzuarbeiten.
Ohne professionelle Beratung ging es nicht
Für die staatliche Förderung war ohnehin die Begleitung durch eine spezialisierte Energieagentur Voraussetzung. In Darmstadt übernahm das die Effizienz:Klasse, getragen vom örtlichen Stromversorger ENTEGA und der Handwerkskammer Darmstadt. Ein Mitarbeiter erstellte für beide Häuser jeweils eine detaillierte Wärmelastberechnung. Diese wurde zur Grundlage für Angebote, die von drei qualifizierten Fachfirmen eingeholt wurden.
Während Beratung und Begleitung der Baumaßnahmen rund 5.000 Euro kosteten – letztlich sehr gut angelegtes Geld, wie die Ortsgruppe befand –, lag die Bandbreite der Angebote für den eigentlichen Einbau der Wärmepumpenheizung zwischen 70.000 und 90.000 Euro für beide Häuser. Schnell wurde jedoch klar, dass nur das teuerste Angebot tatsächlich vollständig war. Die günstigeren Angebote ließen erhebliche notwendige Kosten außen vor – in einem Fall sogar die Elektroinstallation, die später unausweichlich angefallen wäre.
Eine Technik, zwei Lösungen
Für das eigentliche Riedberghaus mit 350 Quadratmetern zu beheizender Fläche wurde eine Viessmann-Wärmepumpe Vitocal 250 eingebaut, kombiniert mit einem großen Wärmespeicher von 900 Litern. Sie versorgt künftig Heizung und Warmwasser.
Für das kleinere Pförtnerhaus mit insgesamt 100 Quadratmetern zu beheizender Fläche wäre jedoch selbst die kleinste Wärmepumpe überdimensioniert gewesen. Das wäre nicht nur teurer geworden, sondern hätte auch die Haltbarkeit beeinträchtigt: Eine unterforderte Wärmepumpe müsste sich nämlich ständig ein- und ausschalten und würde dadurch schneller verschleißen. Deshalb wird dort nun eine ebenfalls staatlich geförderte Daikin-Multi-Split-Anlage eingesetzt – im Alltag eher als Klimaanlage bekannt –, die im Winter Wärme produziert.
Beide Lösungen folgen demselben technischen Grundprinzip: Wärmepumpen entziehen der Umgebung Wärme, verdichten diese und geben sie an das Heizsystem ab. Die Technik des Wärmetransports hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Im Idealfall können Klimaanlagen heute auch heizen und Wärmepumpen auch kühlen.
Förderung, Spenden und Eigenleistung
Rund 90.000 Euro waren für das Gesamtprojekt veranschlagt. Die Wärmepumpen-Förderung wurde im Oktober 2025 bei der bundeseigenen KfW-Bank beantragt und sofort bewilligt. Nach Vorlage der Schlussrechnung wurde eine Förderung von rund 25.000 Euro zugesagt.
Zusätzlich warben die Eberstädter NaturFreunde erfolgreich um Unterstützung. Die Stiftung NaturPur, die Sparkasse Darmstadt, die Volksbank Darmstadt Mainz, die Eberstädter Software-Stiftung und auch die NaturFreunde Hessen unterstützten das Projekt. Insgesamt kamen so 23.000 Euro an Spenden zusammen.
Für den Trägerverein KiJuBS waren damit nur noch etwa die Hälfte der tatsächlichen Umrüstungskosten selbst zu finanzieren – rund 40.000 Euro. Doch auch diese Summe brachte den Verein an die Grenzen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit.
Umso wichtiger war die ehrenamtliche Eigenleistung. Mitglieder der NaturFreunde Darmstadt-Eberstadt räumten Arbeitsflächen für die Monteure frei, bauten Verkleidungen aus und wieder ein, fuhren mehr als 150 Schubkarren Sand ab, schufen Platz für die Wärmepumpe und bauten das Betonfundament. Insgesamt kamen so mehrere hundert Arbeitsstunden zusammen. Dieses Engagement hat nicht nur Kosten gespart, sondern war letztlich entscheidend dafür, dass der Klimaschutz im eigenen Naturfreundehaus praktisch umgesetzt werden konnte.
Schrecksekunde im Altbau
Wie oft bei älteren Gebäuden blieb es allerdings nicht bei der geplanten Maßnahme. Das Naturfreundehaus Riedberg ist in seiner fast 100-jährigen Geschichte immer wieder aus- und umgebaut worden, oft mit begrenzten Mitteln. Die Folgen zeigten sich während der Arbeiten.
Anfang Dezember stellten die Heizungsmonteure beim Anschluss neuer, besonders für Wärmepumpen geeigneter Heizkörper fest, dass vorhandene Heizungsrohre aus sogenanntem C-Stahl stark korrodiert waren. Tatsächlich standen sie an manchen Stellen kurz vor dem Durchrosten. Damit drohten dem Haus unabhängig von der neuen Heizung absehbar schwere Wasserschäden in Wänden und Böden.
Die korrosionssichere Erneuerung aller Heizungsrohre hätte jedoch rund 20.000 Euro zusätzlich gekostet – ein Betrag, der in der ursprünglichen Projektkalkulation nicht enthalten war. Deshalb entschlossen sich die NaturFreunde schweren Herzens, zunächst nur die Leitungen in Teilen des Erdgeschosses austauschen zu lassen und den Rest auf das Ende des kommenden Jahres zu verschieben.
Ein Haus mit Geschichte und Zukunft
Das Riedberghaus hat eine lange NaturFreunde-Geschichte. Die ersten Eberstädter NaturFreunde bauten in den 1920er-Jahren ein kleines Haus auf dem Gelände am Hainweg 60. Nach dem Verbot der NaturFreunde durch die Nazis wurde es im Sommer 1933 enteignet. Erst Anfang der 1950er-Jahre erhielt die neu gegründete NaturFreunde-Ortsgruppe Darmstadt-Eberstadt Haus und Grundstück zurück – in schlechtem Zustand.
In den Jahrzehnten danach bauten die NaturFreunde ihr Naturfreundehaus weitgehend in Eigenarbeit wieder auf, erweiterten es und machten daraus ein Tagungs- und Übernachtungshaus. Heute zeigt die Umstellung der Heizung: Diese Tradition der Selbsthilfe und des praktischen Engagements trägt weiter – nun auch ganz konkret für den Klimaschutz.
Mit der neuen Wärmepumpenlösung spart das Riedberghaus künftig jährlich rund acht Tonnen Kohlendioxid ein. Für die NaturFreunde Darmstadt-Eberstadt ist das technisch, finanziell und organisatorisch ein großer Schritt. Vor allem aber ist es ein gutes Beispiel dafür, was möglich wird, wenn ein Verein Verantwortung übernimmt – und Mitglieder bereit sind, dafür anzupacken.
Best Practice: Was andere Naturfreundehäuser aus dem Projekt lernen können
Professionelle Beratung früh einbinden: Die Wärmelastberechnung und Begleitung durch eine spezialisierte Energieagentur waren entscheidend – sowohl für die Förderung als auch für die technische Planung.
Angebote genau prüfen: Das günstigste Angebot ist nicht automatisch das beste. Wichtig ist, ob alle notwendigen Kosten enthalten sind – auch Elektroinstallation und Nebenarbeiten.
Förderung rechtzeitig beantragen: Die KfW-Förderung machte einen erheblichen Teil der Finanzierung aus. Ohne die vorbereitenden Unterlagen der Energieberatung wäre der Antrag deutlich schwieriger geworden.
Spenden aktiv einwerben: Neben staatlicher Förderung halfen regionale Unterstützer*innen und der NaturFreunde-Landesverband Hessen, die Belastung für den Trägerverein deutlich zu senken.
Eigenleistung realistisch einplanen: Mehrere hundert ehrenamtliche Arbeitsstunden sparten Kosten und machten das Projekt überhaupt erst leistbar.
Altbau-Risiken mitdenken: Unerwartete Zusatzkosten können jederzeit entstehen. Beim Riedberghaus wurden während der Arbeiten stark korrodierte Heizungsrohre entdeckt, deren Austausch nicht eingeplant war.
Joachim Schmidt
NaturFreunde Darmstadt-Eberstadt







